Bugatti eb112: der traum einer luxus-limousine, der die zeit überholte
Die 1990er Jahre waren für Bugatti eine Achterbahnfahrt. Zwischen dem kometenhaften Aufstieg mit dem EB110 und der Übernahme durch Volkswagen im Jahr 1998 schuf Molsheim eine Reihe faszinierender Prototypen, die nie das Licht der Serienproduktion erblickten. Einer stach besonders hervor: Der Bugatti EB112 – ein Vehikel, das die Automobilwelt nachhaltig beeinflusst hätte, wenn er je in Serie gegangen wäre.
Ein vorbote der gran-turismo-ära
Stellen Sie sich vor, ein Bugatti, der die Eleganz einer Limousine mit der Performance eines Supersportwagens verbindet. Der EB112, der 1993 auf dem Genfer Autosalon seine Weltpremiere feierte, war genau das – und damit seiner Zeit weit voraus. Modelle wie der Porsche Panamera und der Aston Martin Rapide folgten erst Jahre später, inspiriert von dieser Vision Romano Artiolis.
Giorgetto Giugiaro, einer der renommiertesten Designer der Automobilgeschichte, verwandelte Artiolis' Idee in eine atemberaubende Realität. Der EB112 ist mehr als nur ein Auto; er ist ein Kunstwerk, das die Tradition von Bugatti widerspiegelt und gleichzeitig den Blick nach vorn richtet. Die Form folgt der Funktion – und in diesem Fall auch der puren Eleganz.
Viele betrachten den EB112 als den spirituellen Vorläufer des Veyron und des Chiron, ja, man könnte sogar sagen, des Tourbillon. Besonders das markante Gesicht mit seiner Kühlergrill-Signatur war die Keimzelle für das Design, das später den Veyron prägen sollte. Die lange, durchgehende Zierleiste über dem Motorhaube, die sich bis zum Heckfenster erstreckt, ist eine klare Hommage an den legendären Bugatti Type 57 SC Atlantic.

Technik, die begeistert – und die zukunft antizipierte
Doch der EB112 war nicht nur ein Schönheitswettbewerber. Unter seiner atemberaubenden Karosserie verbarg sich eine beeindruckende Ingenieursleistung. Der Wagen basierte auf dem Chassis des EB110 und verfügte über eine komplett aus Aluminium gefertigte Karosserie. Diese Kombination aus Kohlefaser-Chassis und Aluminium-Karosserie war 1993 revolutionär und setzte neue Maßstäbe im Luxussegment.
Das Herzstück des EB112 war ein 6,0-Liter-V12-Motor mit 450 PS, der die Kraft über eine Sechsgang-Schaltbox und einen Allradantrieb auf die Straße brachte. Das Leistungsgewicht und die außergewöhnliche Gewichtsverteilung, dank der zentralen Motorposition, sorgten für ein dynamisches Fahrerlebnis, das seinerzeit seinesgleichen fand. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelang in lediglich 4,3 Sekunden – ein beeindruckender Wert, selbst nach heutigen Maßstäben.

Ein traum, der zerplatzte – aber nicht vergessen wurde
Trotz des fortschrittlichen Entwicklungsstandes und der überschäumenden Begeisterung für den EB112 kam es letztendlich nicht zur Serienproduktion. Die finanziellen Schwierigkeiten von Bugatti ließen den Traum einer Luxus-Limousine mit Supersportwagen-Performance im Sande verlaufen. Doch die Geschichte hat eine überraschende Wendung genommen: Gildo Pallanca Pastor, Gründer des Monaco Racing Team, erwarb die verbleibenden Prototypen und ließ zwei Exemplare fertigstellen. Eines davon besitzt er bis heute, das andere wurde verkauft.
Der Bugatti EB112 mag zwar nie in Serie gegangen sein, doch sein Einfluss auf die Automobilwelt ist unbestreitbar. Er bleibt ein faszinierendes Beispiel für visionäres Design und technologische Innovation – ein Denkmal für eine Ära, in der Bugatti versuchte, die Grenzen des Möglichen neu zu definieren. Ein Auto, das mehr war als nur ein Auto – ein Statement.