Elektro-sportwagen auf dem prüfstand: reicht die reichweite für bergrennen?

Die Zeiten ändern sich, und zwar rasant. Während klassische Sportwagen mit Verbrennungsmotor zunehmend rar werden, drängen kompakte Elektro-Sportwagen auf den Markt. Doch was, wenn die versprochene Reichweite auf einer kurvenreichen Bergstraße auf eine harte Probe gestellt wird? Ich habe es ausprobiert – mit dem Hyundai IONIQ 5 N, einem vermeintlichen Spaßmacher, der mir das Leben auf einer kalten Dezemberstrecke verkomplizieren sollte.

Ein riese unter den kompakten

Der Hyundai IONIQ 5 N will ein Kompaktwagen sein? Bei einer Länge von 4,71 Metern und einer Breite von 1,94 Metern ist das wohl eher eine Frage der Definition. Mit seinen 2.275 Kilogramm ist er kein Leichtgewicht, aber die sportliche Tieferlegung und das aggressive Design lassen ihn eher an einen geduckten Sportler als an einen SUV erinnern. Was zählt, ist das Fahrgefühl, und das verspricht der IONIQ 5 N mit seinen zwei Elektromotoren und satten 650 PS.

Hyundai hat hier einiges angerichtet: Eine elektronische Slipdifferenzial, eine simulierte Schaltbox und ein Sound, der das Fehlen des Verbrennungsmotors geschickt kaschiert. Es funktioniert erstaunlich gut, man vergisst fast, dass man in einem Elektroauto sitzt. Die Hersteller versprechen eine Reichweite von rund 448 Kilometern – eine Zahl, die in der Realität, besonders bei sportlicher Fahrweise und Kälte, deutlich sinken kann. Das musste ich überprüfen.

Der realtest in den bergen

Der realtest in den bergen

63 Kilometer führte mich meine Route in die Berge, wo ich mit einem Durchschnittsverbrauch von 27,9 kWh und noch 78 Prozent Ladung ankam. Der Homologationswert liegt bei 21,2 kWh/100 km, aber drei Grad Celsius und die anspruchsvolle Strecke forderten ihren Tribut. Im sportlichsten Modus N, das den simulierten Sound und die Schaltbox aktiviert, ging es dann los. Die Schaltwippen steuern zwar keine Gangwechsel im eigentlichen Sinne, beeinflussen aber die Ansprechcharakteristik des Motors – eine clevere Täuschung, die einen überraschend gut unterhält.

Der erste Abschnitt war ein langer Abstieg. Weniger als zehn Minuten vergingen, aber es fühlte sich an, als hätte ich eine Ewigkeit damit verbracht, das Auto zu genießen. Der IONIQ 5 N ist überraschend agil und versteckt sein Gewicht und seine Größe erstaunlich gut. Mehr als die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h und der künstliche Sound machen Spaß – das Fahrwerk!

Beim Hinauf- und Bergabfahren spielte die Rekuperation eine große Rolle. Auf dem Abstieg konnte ich viel Energie zurückgewinnen, während der Aufstieg den Verbrauch natürlich in die Höhe trieb. Nach insgesamt 86 Kilometern, verteilt auf verschiedene Streckenabschnitte, hatte ich noch 50 Prozent Ladung und 163 Kilometer Reichweite auf dem Tacho. Das ist mehr, als ich erwartet hätte.

Fazit: elektro-sportwagen sind reisefähig

Fazit: elektro-sportwagen sind reisefähig

Kann man also mit einem Elektro-Sportwagen auf Bergrennen gehen? Die Antwort ist ein klares Ja, aber mit Vorbehalten. Die Reichweite kann natürlich zum Problem werden, insbesondere wenn man in abgelegenen Gebieten unterwegs ist, wo Ladestationen rar sind. Modelle wie der Alpine A290 GTS oder der Lancia Ypsilon HF haben mit noch geringeren Reichweiten zu kämpfen. Der Hyundai IONIQ 5 N bietet mit seinen über 400 Kilometern Reichweite da deutlich mehr Sicherheit, kostet aber auch fast 80.000 Euro. Die Entwicklung schreitet voran, und in Zukunft werden Elektro-Sportwagen zweifellos noch effizienter und alltagstauglicher sein. Doch für den Moment gilt: Planen Sie Ihre Route sorgfältig und vergessen Sie nicht, ein Ladekabel einzupacken.