Ford capri: respekt vor der tradition oder nur marketing-trick?

Der Name Capri weckt Erinnerungen an sportliche Coupés der 70er Jahre. Doch Ford versucht nun, diesen legendären Namen mit einem elektrischen SUV zu verknüpfen. Eine mutige Entscheidung, die nicht bei allen auf Zustimmung stößt. Ich, Martina Klein von „Automobilkultur Herbst“, habe den neuen Capri auf Herz und Nieren geprüft – und bin auf einige Überraschungen gestoßen.

Ein erbe, das man pflegen sollte?

Die Strategie ist klar: Angesichts der neuen, technologiegetriebenen Player auf dem Automarkt wollen viele etablierte Marken auf ihre Tradition verweisen. Der Capri als Name sollte hierbei einen emotionalen Anker bieten. Doch die Frage ist, ob ein elektrischer SUV mit Basis auf dem MEB-Modul von Volkswagen wirklich zur Legende Capri passt. Es ist ein Kompromiss, den man festhalten muss.

Aber bevor wir uns in Details verlieren: Der Capri ist innen überraschend geräumig und bietet ein modernes, hochwertiges Ambiente. Der Innenraum erinnert stark an den Ford Explorer, was nicht unbedingt negativ ist, da er einen soliden Eindruck vermittelt. Ein großes Highlight ist das 14,6-Zoll-Display, das sich sogar in der Neigung verstellen lässt – ein cleverer Schachzug, um einen zusätzlichen Stauraum zu schaffen. Das kleinere digitale Cockpit, geerbt vom VW-Konzern, stört allerdings etwas das Gesamtbild.

Die technik unter der haube

Die technik unter der haube

Der Capri bietet eine Auswahl an drei verschiedenen Antriebsoptionen. Das Topmodell leistet 340 PS und verfügt über einen Allradantrieb – Leistung ist also garantiert. Zwar fehlt der sonore Motorsound, auf den viele Autoliebhaber schwören, aber die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,3 Sekunden ist beeindruckend. Die 77-kWh-Batterie verspricht eine Reichweite von 577 Kilometern. Wer es günstiger haben möchte, greift zum Einstiegsmodell mit 190 PS und einer Reichweite von 464 Kilometern für 39.808 Euro. Mein Testfahrzeug, das Capri RWD mit 286 PS und einer Reichweite von 627 Kilometern, liegt preislich bei 43.908 Euro.

Während die Varianten mit Hinterradantrieb eine Ladeleistung von 135 bzw. 145 kW bieten, können Allradmodelle bis zu 185 kW nutzen. Eine schnelle Ladezeit von 25-28 Minuten von 10 auf 80 Prozent ist in allen Fällen möglich.

Wie fährt er sich?

Wie fährt er sich?

Das Fahrgefühl des Capri RWD ist überraschend fordert. Obwohl er auf VW-Technik basiert, vermittelt er einen deutlichen Ford-Charakter. Der Hinterradantrieb sorgt für ein agiles Fahrverhalten in Kurven, und das Auto lässt sich trotz seines Gewichts von 2.098 kg gut kontrollieren. Auf der Geraden überzeugt der Capri durch seinen kraftvollen Durchzug. Die Lenkung könnte allerdings direkter sein und vermittelt ein etwas indirektes Gefühl. Auch die Bremsen könnten einen klareren Druckpunkt vertragen.

Auf der Autobahn überzeugt das adaptive Tempomat mit seiner Fähigkeit, sich an die Geschwindigkeit anzupassen und die Spur zu halten. Besonders im Stau übernimmt das System sogar die Lenkung – eine willkommene Entlastung.

Ein fazit mit fragezeichen

Ein fazit mit fragezeichen

Der neue Ford Capri ist ein interessanter Kompromiss. Er bietet viel Platz, eine gute Ausstattung und eine solide Leistung. Doch der Name Capri wirft einen Schatten auf das Gesamtbild. Ein sportliches Coupé kann ein elektrischer SUV eben nicht ersetzen. Die Entscheidung, einen legendären Namen für ein Fahrzeug zu verwenden, das sich so stark von seinen Vorgängern unterscheidet, ist riskant. Die Frage bleibt, ob sich diese Marketing-Strategie langfristig auszahlen wird.

Trotzdem lässt Ford die Hoffnung auf eine sportlichere Variante des Capri nicht ruhen. Gerüchte über ein echtes Sportmodell in der Zukunft lassen aufhorchen. Bis dahin bleibt der aktuelle Capri ein solider, wenn auch etwas verwirrter Vertreter der Elektromobilität.