Ford fiesta st: wie ein mondeo-motor den kleinwagen revolutionierte
Wer dachte, der Ford Fiesta sei stets ein vernünftiger, sparsamer Stadtauto, der irrt gewaltig. Denn unter der charmanten Karosserie des ersten Fiesta ST schlug ein Herz aus Mondeo – ein Detail, das die Geschichte dieses Kleinwagens so besonders macht. Eine Rückschau auf ein Fahrzeug, das bewies, dass auch im Kompakten große Emotionen möglich sind.

Die geburt eines sportwagens aus dem alltag
Die 1970er Jahre brachten eine Flut kleiner Fahrzeuge auf den Markt, und Ford reagierte mit dem Fiesta. Über Jahrzehnte etablierte sich der Fiesta als zuverlässiger und preiswerter Begleiter im Stadtverkehr. Doch Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts wuchs die Nachfrage nach sportlichen Kleinwagen, und Ford erkannte die Chance, den Fiesta mit einem Schuss Adrenalin aufzupeppen. Inspiriert von der XR2-Linie aus der Vergangenheit, entstand der Fiesta ST, der die Erwartungen übertraf.
Optisch stach der Fiesta ST mit neuen Schürzen, einem auffälligen Heckspoiler, einer chromfarbenen Auspuffanlage und 16-Zoll-Rädern hervor. Optional konnten sportliche Streifen für zusätzliche Individualität hinzugefügt werden. Im Innenraum sorgten Sportsitze aus Leder, modifizierte Instrumente und Aluminiumakzente für eine aufregendere Atmosphäre.
Das Herzstück: Ein Mondeo-Motor mit RS-DNA Doch die eigentliche Überraschung verbarg sich unter der Motorhaube. Der Fiesta ST erhielt keinen eigens entwickelten Sportmotor, sondern einen 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner, der eigentlich aus dem Ford Mondeo stammte. Das Team RS von Ford verpasste dem Motor jedoch eine umfassende Überarbeitung und schraubte die Leistung von 145 auf beeindruckende 150 PS und 190 Nm Drehmoment hoch. Die Kraft wurde über eine Fünfgang-Handschaltgetriebe an die Vorderräder geleitet.
Das Ergebnis war ein Fahrerlebnis, das weit über das eines normalen Kleinwagens hinausging. Obwohl die Motorcharakteristik des Saugmotors erst ab 4.000 U/min richtig aufdrehte, fühlte sich der Fiesta ST deutlich lebendiger an als sein großer Bruder, der Mondeo. Er bot eine überraschende Agilität und ein hohes Maß an Fahrspaß, insbesondere dank der sportlich abgestimmten Fahrwerkskomponenten und der verbesserten Bremsanlage mit Scheibenbremsen an der Vorderachse und Festbremsen an der Hinterachse – eine Premiere für den Fiesta.
Der Fiesta ST der ersten Generation positionierte sich erfolgreich im Segment der sportlichen Kleinwagen und mischte mit etablierten Rivalen wie dem Renault Clio Sport, dem Peugeot 206 GTI und dem Seat Ibiza FR. Er bewies, dass man nicht gleich einen Turbo benötigt, um für Fahrspaß zu sorgen. Der Fiesta ST war ein vielseitiges Fahrzeug, das sowohl im Alltag als auch auf der Landstraße Freude bereitet.
Heute, 21 Jahre nach seiner Einführung, ist der Ford Fiesta ST 150 von 2005 ein begehrtes Sammlerstück. Wer sich einen sichern möchte, muss allerdings mit etwa 6.000 Euro rechnen – ein Preis, der angesichts der historischen Bedeutung und des Fahrspauls durchaus gerechtfertigt ist. Der Fiesta ST demonstrierte eindrucksvoll, dass auch aus einem vermeintlich unspektakulären Bauteil wie einem Mondeo-Motor ein echter Sportwagen entstehen kann.