Lancia ypsilon hf: ein elektrisches comeback mit herz und fragezeichen

Turin bebt, und zwar nicht nur wegen des Gelatos im Sommer. Lancia, die legendäre italienische Automobilmarke, ist zurück – und das mit dem Ypsilon HF. Ein Name, der in der Rallye-Geschichte für Schweiß, Adrenalin und glorreiche Siege steht. Doch dieses Revival ist elektrisch, und ob das mit der Tradition harmoniert, ist eine Frage, die wir uns stellen müssen.

Ein erbe, das man ernst nimmt – zumindest im design

Schon auf den ersten Blick ist klar: Der Ypsilon HF ist kein gewöhnlicher Kleinwagen. Die überdimensionierten Stoßfänger, der wuchtige Diffusor hinten, die 18-Zoll-Felgen mit ihrer markanten Optik – all das schreit nach Sportlichkeit. Die 30 mm breiteren Spur und die um 20 mm tiefergelegte Fahrwerksabstimmung unterstreichen den Eindruck zusätzlich. Und dann sind da natürlich die HF-Logos, die an die glorreichen Zeiten des Delta Integrale erinnern. Ein Augenschmaus, der das Herz eines jeden Motorsportfans höherschlagen lässt.

Auch das Interieur weiß zu gefallen. Die Sportsitze, die in einem nostalgischen Blau gehalten sind und an den legendären Delta HF Integrale erinnern, bieten nicht nur einen hervorragenden Halt in Kurven, sondern sind auch erstaunlich bequem. Die Atmosphäre im Innenraum ist sportlich, aber nicht aggressiv – ein gelungenes Zusammenspiel aus Tradition und Moderne.

Elektrisch, aber mit charakter

Elektrisch, aber mit charakter

Doch nun zur Elefanten im Raum: Der Ypsilon HF ist ein 100-prozentiger Elektroantrieb. 280 PS und 345 Nm Drehmoment sorgen für eine beeindruckende Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in lediglich 5,6 Sekunden. In der Geradeausfahrt ist der Wagen ein Volltreffer, und auch in Kurven überzeugt er dank des Torsen-Sperrdifferentials und der verstärkten Starrheit der Stabilisatoren. Die Karosserie liegt satt auf der Straße, auch wenn die straffe Fahrwerksabstimmung nicht jedermanns Geschmack ist – für den täglichen Gebrauch ist sie vielleicht etwas zu hart.

Ein Detail stört jedoch: Das Gewicht von 1.556 kg für einen 4,078 Meter langen Wagen ist nicht gerade ein Novum in der Elektromobilität, wirkt aber angesichts der sportlichen Ambitionen etwas überdimensioniert. Und dann ist da noch das Bremspedal – der anfängliche Leerweg ist nicht optimal und nimmt etwas Gefühl.

Die Reichweite mit der 54 kWh Batterie liegt offiziell bei 373 Kilometern, real sind es aber eher 293 Kilometer. Wer das Gaspedal voll durchtritt, kann die Reichweite schnell auf unter 290 Kilometer reduzieren. Der Preis von 42.335 Euro ist angesichts der Leistung und der Ausstattung durchaus angemessen, lässt aber auch auf die Premium-Positionierung der Marke schließen.

Der Lancia Ypsilon HF ist ein faszinierendes Auto – ein elektrisches Comeback mit viel Herz und Charakter. Er ist eine Hommage an die glorreiche Vergangenheit der Marke und ein vielversprechendes Statement für die Zukunft. Doch die Frage bleibt: Kann ein Elektroantrieb wirklich die Seele eines Sportwagens ersetzen?