Mercedes om-motoren: legenden, die man vermisst
Wer kennt sie nicht, die OM-Motoren von Mercedes-Benz? Einst Synonym für Robustheit und Langlebigkeit, scheinen sie in der heutigen Zeit fast einer verlorenen Kunst anzugehören. Die Diskussion dreht sich um die Frage: Was ist mit der Zuverlässigkeit passiert, die einst für die Sternmarke so charakteristisch war?
Die glorreiche vergangenheit der om-motoren
Die OM-Baureihe, insbesondere der OM603 und der OM602, sind Legenden. Der OM603, oft mit einem einzigen, unvergesslichen Turbo-Variante, und der OM602, der als einer der zuverlässigsten Fünfzylinder-Diesel der Welt gilt, prägten das Bild von Mercedes-Benz. Modelle wie der G250D mit dem OM603 oder der Mercedes W123 300D, angetrieben vom legendären OM617, verkörperten Langlebigkeit und Robustheit. Man konnte diese Motoren pflegen, und sie dankten es einem mit Hunderttausenden, gar Millionen Kilometern zuverlässigem Dienst.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Heutzutage ist es schwer, ein Fahrzeug zu finden, das keine Macken aufweist. Ein großer Teil der Ursache liegt in den immer strengeren Abgasnormen. Die Einführung von Partikelfiltern, AdBlue-Systemen und anderen Komponenten hat zwar die Umweltbelastung reduziert, aber gleichzeitig die Lebensdauer der Motoren verkürzt. Die soliden, fast unzerstörbaren Blöcke von einst sind einer fernen Erinnerung gewichen.

Ein nostalgischer blick auf den om602
Besonders schmerzlich ist der Verlust des OM602. Dieser Fünfzylinder-Diesel, der fast zwei Jahrzehnte lang von 1985 bis 2002 im Einsatz war, bevor er durch den OM605 und später durch die OM612- und OM647-Motoren ersetzt wurde, war ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Er wurde in einer Vielzahl von Modellen eingesetzt, vom W201 (190 D und 250 D) bis hin zu Sprintern und Transportern. Die Leistungswerte lagen zwischen 90 PS in der Saugmotorversion und 129 PS im Turbodiesel, stets in Kombination mit Schalt- oder Automatikgetrieben.
Was den OM602 so besonders machte, war seine Robustheit. Es gab Einheiten, die problemlos über 800.000 Kilometer, manche sogar über 1,5 Millionen Kilometer liefen. Die Tatsache, dass er auch in SsangYong-Geländewagen wie dem Musso, Korando und Rexton seinen Dienst tat, zeugt von seiner weitverbreiteten Anerkennung.
Die Kette, die sowohl die Nockenwellen als auch die Einspritzpumpe antrieb, und eine separate Kette für die Ölpumpe waren typische Merkmale. Die Bosch PES Einspritzpumpe mit mechanischem Regler und Leerlaufsignal, sowie die spätere Bosch VE Version mit elektronischer Steuerung und direkter Einspritzung, machten den OM602 zu einem technisch raffinierten Motor. Die Ingenieurskunst dieser Zeit war geprägt von Einfachheit und Langlebigkeit – Werte, die in der heutigen Automobilwelt oft zu kurz kommen.
Gorden Wagener, der ehemalige Chefdesigner von Mercedes-Benz, hinterließ mit dem Mercedes 300 SEL 6.3 'Red Pig' des 21. Jahrhunderts ein beeindruckendes Denkmal. Aber manchmal sehnt man sich einfach nach der unvergleichlichen Zuverlässigkeit eines OM-Motors.