Rolls-royce dreht den elektro-traum ab: luxus will weiterhin brummen

Die Zeiten ändern sich – und auch die Pläne der Automobilhersteller. Rolls-Royce, einst Vorreiter für eine leise, elektrische Zukunft, macht eine überraschende Kehrtwende. Der britische Luxushersteller stellt seine ambitionierten Elektroziele in Frage und setzt stattdessen auf den bewährten V12-Motor. Ein Umdenken, das die gesamte Branche aufhorchen lässt und Fragen nach der Zukunft des Premium-Elektrosegments aufwirft.

Die kunden reden mit: warum der v12 weiterhin könig ist

Die kunden reden mit: warum der v12 weiterhin könig ist

Chris Brownridge, der CEO von Rolls-Royce, macht die Ursache für diesen Umschwung klar: die Nachfrage. „Für jeden Kunden, der ein Elektrofahrzeug liebt, gibt es einen anderen, der es nicht tut“, erklärt er in einem Interview mit The Times. Die Multimillionäre, die sich einen Rolls-Royce leisten können, scheinen offenbar nicht bereit zu sein, auf den Klang und die Leistung eines V12 zu verzichten – selbst wenn es sich um ein Elektroauto im Preisbereich von Hunderttausenden von Euro handelt. Die Kunden wollen weiterhin das raue, kraftvolle Brüllen unter der Motorhaube, das seit Jahrzehnten für die Marke steht. Der Spectre, das erste vollelektrische Modell von Rolls-Royce, war zwar ein Erfolg bei seiner Einführung, doch die Verkaufszahlen sind im Jahr 2025 fast halbiert worden.

Diese Entwicklung kommt zu einem günstigen Zeitpunkt, denn die Europäische Union hat die geplanten Verbotsdaten für Verbrennungsmotoren bis 2035 verschoben. Dies gibt Rolls-Royce mehr Spielraum, um seine Kunden von den Vorteilen der Elektromobilität zu überzeugen – oder eben nicht. Die Strategie des Unternehmens ist simpel: „Wir stellen einfach her, was gefragt ist“, so Brownridge. Ein pragmatischer Ansatz, der den Fokus klar auf die Bedürfnisse der zahlungskräftigen Klientel legt.

Die Entscheidung von Rolls-Royce ist kein Einzelfall. Auch andere Luxusmarken haben ihre Elektroambitionen zuletzt gedämpft. Bentley und Aston Martin haben bereits Rückschritte verkündet, und die Skepsis gegenüber dem Erfolg von Elektroautos im Premiumsegment wächst. Während ein schwedischer Ingenieur mit einem 27-Tonnen-Elektro-Lkw 73.500 Kilometer durch 21 Länder tourt und seine Erfahrungen teilt, bleibt Rolls-Royce seinem klassischen Antrieb treu – zumindest vorerst.

Die Ära des V12 bei Rolls-Royce ist noch lange nicht vorbei. Das Unternehmen plant, den legendären Motor noch mindestens ein Jahrzehnt weiterzubauen, solange es rechtlich möglich ist. Torsten Müller-Ötvös, der ehemalige CEO, hatte 2022 den Spectre angekündigt und eine vollständige Elektrifizierung der Flotte bis 2030 in Aussicht gestellt. Diese Versprechen sind nun Schall und Rauch. Die Kunden haben gesprochen, und Rolls-Royce hört zu – mit einem lauten, brummenden V12.