Spanien: ladeinfrastruktur hinkt – aber der ausbau schreitet voran!

Spanien, ein Land der Leidenschaft und des Fortschritts, stand lange Zeit vor einer Herausforderung im Bereich der Elektromobilität: Es fehlte schlichtweg an ausreichend Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Doch die Zeiten ändern sich – und zwar rasant. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass die spanische Regierung und die Industrie ernsthaft bemüht sind, diesen Rückstand aufzuholen.

Der wettlauf um die ladeinfrastruktur: wo stehen wir wirklich?

Die neusten Daten der Asociación Empresarial para el Desarrollo e Impulso de la Movilidad Eléctrica (AEDIVE) zeichnen ein differenziertes Bild. Zum 1. Mai 2026 stehen in Spanien stolze 54.794 funktionierende Ladepunkte zur Verfügung. Das ist ein beachtlicher Anstieg von 9,58 % im Vergleich zu Ende 2025, als es 53.072 Punkte waren. Ein noch dramatischerer Zuwachs von 37 % wurde im Vergleich zum gesamten Jahr 2025 verzeichnet. Doch diese positiven Zahlen trügt ein dunkler Fleck: Ein erheblicher Teil der installierten Ladeinfrastruktur ist nicht betriebsbereit.

Laut dem letzten Barómetro de Electromovilidad von ANFAC waren Ende 2025 unglaubliche 16.340 Ladepunkte zwar installiert, aber nicht in Betrieb – sei es aufgrund von Defekten, Wartungsarbeiten oder Problemen bei der Anbindung an das Stromnetz. Die Zahl der nicht funktionierenden Ladestationen stieg im vergangenen Jahr sogar um 43 %, was einen deutlichen Hinweis auf die Herausforderungen bei der Wartung und dem Betrieb der Infrastruktur gibt. Wäre jede dieser Stationen einsatzbereit, könnte Spanien auf 69.412 Ladepunkte bauen.

Schnellladen kommt an: ein hoffnungsschimmer für langstreckenfahrten

Schnellladen kommt an: ein hoffnungsschimmer für langstreckenfahrten

Ein besonderer Lichtblick ist der Ausbau der Schnellladestationen. Insbesondere die Anlagen mit über 350 kW Leistung sind um 5,12 % gewachsen, während die Leistungsklasse zwischen 150 und 350 kW sogar um beeindruckende 18,49 % zulegte. Auch die Schnellladestationen (50 bis 150 kW) sind um 17,93 % gestiegen. Diese Entwicklung ist entscheidend, um die Reichweitenangst zu besiegen und die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen für Langstreckenfahrten zu erhöhen. Die Investition in diese Technologie ermöglicht eine Ladeerfahrung, die der von Verbrennerfahrzeugen ähnelt – ein wichtiger Faktor für die breite Masse.

Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Katalonien, Madrid, Andalusien und die valencianische Gemeinschaft dominieren weiterhin mit dem größten Anteil an Ladestationen – sie bündeln fast 60 % der gesamten öffentlichen Infrastruktur. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Trend sich auf andere Regionen ausdehnt und eine flächendeckende Versorgung gewährleistet wird. Arturo Pérez de Lucia, Generaldirektor der AEDIVE, betont zu Recht, dass eine verstärkte Förderung der Gleichstromladung mit geringerer Leistung in städtischen Gebieten unerlässlich ist, um die Elektromobilität weiter voranzutreiben.

Die Diskrepanz zur europäischen Vergleichswert, der bei 38 Ladepunkten pro 1000 Einwohner liegt, ist weiterhin groß. Spanien liegt mit 12,6 Ladepunkten deutlich darunter. Die Aufgabe ist klar: Der Ausbau der Ladeinfrastruktur muss mit Hochdruck weiter vorangetrieben werden, um nicht den Anschluss an die europäische Entwicklung zu verlieren und die Klimaziele zu erreichen.