Volvo setzt auf flexible motorenplattform für schwere lasten
Die Schweden von Volvo Trucks gehen einen ungewöhnlichen Weg: Anstatt gänzlich auf Elektromobilität zu setzen, investieren sie weiterhin massiv in Verbrennungsmotoren – allerdings mit einem cleveren Twist. Eine neue, modulare Plattform soll es ermöglichen, zukünftige Kraftstoffstandards zu meistern und gleichzeitig die Effizienz von schweren Lkw deutlich zu steigern. Das ist ein klares Signal an die Branche: Der Verbrennungsmotor hat noch nicht ausgedient, zumindest nicht in der Welt des Schwerlastverkehrs.

D13 und g13: zwei motoren, eine plattform, viele möglichkeiten
Kern der Strategie ist die neue Motorengeneration D13 und G13, die auf einer gemeinsamen Plattform basieren. Diese Plattform erlaubt es Volvo, den Motoren im Laufe der Zeit verschiedene Kraftstoffe anzupassen – von Biodiesel (B100) und erneuerbarem Diesel (HVO) über Biogas und Bio-GNL bis hin zu Wasserstoff im späteren Verlauf. Das ist mehr als nur eine Zukunftssicherung; es ist eine pragmatische Antwort auf die unterschiedlichen Entwicklungsstände der alternativen Kraftstoffe in verschiedenen Regionen der Welt.
Die D13-Dieselmotoren leisten zwischen 380 und 560 PS und bieten Drehmomente von 1.800 bis 2.900 Nm. Die G13-Varianten, die mit Gas betrieben werden, kommen auf 420 bis 500 PS und Drehmomente zwischen 2.400 und 2.800 Nm. Ein Plus von bis zu 4 Prozent bei der Kraftstoffeffizienz gegenüber den Vorgängermodellen ist laut Volvo Trucks erreicht worden – vorausgesetzt, die neuen Motoren werden mit den neuesten aerodynamischen Verbesserungen und Energiesparlösungen kombiniert.
Besonders hervorzuheben ist das Zusammenspiel mit der bereits 2024 eingeführten Volvo Aero-Familie, die weitere 5 Prozent Einsparungen ermöglicht. Das ist kein geringer Fortschritt, wenn man bedenkt, wie hart der Schwerlastverkehr durch die Elektifizierung eingeschränkt ist. Die Implementierung des I-Roll Stop-Start Systems in den Dieselmotoren trägt ebenfalls zur Reduzierung von Verbrauch und Emissionen bei. Der Motor schaltet sich in bestimmten Fahrsituationen ab und nutzt die Schwungenergie des Fahrzeugs – eine einfache, aber effektive Lösung.
Die neue Plattform erfüllt bereits die aktuellen Euro 6-Abgasnormen und ist für zukünftige, strengere Auflagen vorbereitet. Ein weiterer Vorteil ist die Flexibilität bei der Anpassung an unterschiedliche Kraftstoffvorschriften in verschiedenen Märkten. So kann Volvo Trucks auf die spezifischen Bedürfnisse der Kunden in Europa, Nordafrika, dem Nahen Osten und Indien eingehen, bevor die Technologie später nach Nord- und Südamerika sowie nach Asien und Afrika gelangt.
Die Produktion der neuen Motoren beginnt in Skövde, Schweden, und die Fahrzeuge werden in den Werken Tuve und Gent, ebenfalls in Schweden und Belgien, zusammengebaut. Der Verkaufsstart ist für Ende 2026 geplant. Die Entscheidung von Volvo Trucks, weiterhin in Verbrennungsmotoren zu investieren, ist ein klares Bekenntnis zur Vielfalt und Pragmatik. Ein Weg, der es dem Unternehmen ermöglicht, auf unterschiedliche Marktentwicklungen zu reagieren und Emissionen zu reduzieren, ohne auf eine einzelne Technologie zu setzen. Denn die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs ist ein Marathon, kein Sprint.