Wasser aus dem auspuff? die überraschende wahrheit über wasserstoffautos
Ein Automobil, das Wasser ausstößt – klingt wie Science-Fiction, ist aber Realität bei Wasserstofffahrzeugen. Doch ist dieses Wasser wirklich trinkbar? Und was steckt hinter dieser faszinierenden Technologie, die eine radikal neue Form der Mobilität verspricht?
Das chemische wunder der brennstoffzelle
Anders als bei herkömmlichen Verbrennungsmotoren, die durch Explosionen Kraft erzeugen und die Umwelt mit Schadstoffen belasten, nutzen Wasserstoffautos eine elektrochemische Reaktion. Im Herzen des Fahrzeugs befindet sich die Brennstoffzelle, die mit hochverdichtetem Wasserstoff aus den Tanks versorgt wird. Gleichzeitig wird Sauerstoff aus der Umgebungsluft angesaugt. Innerhalb der Zelle werden die Wasserstoffatome aufgespalten, wobei Protonen und Elektronen entstehen. Die Elektronen fließen durch einen externen Stromkreis und erzeugen so den Strom, der den Elektromotor antreibt.
Die eigentliche Magie geschieht am Ende des Prozesses: Protonen und Elektronen verbinden sich wieder mit dem Sauerstoff aus der Luft und bilden – Sie ahnen es schon – Wasser. Dieses Wasser tritt zunächst als Dampf aus, kondensiert aber beim Abkühlen im Auspuffsystem und tropft dann als Flüssigkeit auf die Straße.

Sauberes wasser, aber mit vorbehalten
Wissenschaftlich gesehen handelt es sich bei dem Wasser, das ein Wasserstoffauto ausstößt, um destilliertes Wasser von außergewöhnlicher Reinheit. Da es aus der direkten Reaktion reiner Gase entsteht, ist es frei von Nitraten, Schwermetallen und Kalk, die in unserem Trinkwasser vorkommen können. Tatsächlich haben Ingenieure von Toyota und Hyundai in Demonstrationen dieses Wasser bereits in Gläser gefüllt und getrunken, um seine Unbedenklichkeit zu demonstrieren.
Aber: Der Weg vom Inneren der Brennstoffzelle nach außen ist kein steriles Umfeld. Das Auspuffsystem ist der Verschmutzung der Straße, Staubpartikeln und Bakterien ausgesetzt, die das Auto mit der Luft, die es zum Betrieb benötigt, einsaugt. Zudem enthält destilliertes Wasser keine Mineralien und Elektrolyte, die unser Körper für eine optimale Hydratation braucht. Ein Schluck ist also unbedenklich, aber als tägliche Wasserquelle ungeeignet.

Der grüne deal: wasserstoff aus erneuerbaren energien
Der wahre Schlüssel zur Nachhaltigkeit liegt in der Herstellung des Wasserstoffs selbst. Nur wenn der Wasserstoff durch Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird – sogenannter “grüner Wasserstoff” – kann das Auto tatsächlich ein Symbol für umweltfreundliche Mobilität sein. Die Produktion aus Erdgas, die derzeit noch einen großen Teil des Wasserstoffbedarfs deckt, setzt immer noch Kohlendioxid frei.

Blitzschnelles tanken, große reichweite
Das große Plus des Wasserstoffautos liegt nicht nur in seiner Umweltfreundlichkeit, sondern auch in der Geschwindigkeit, mit der es betankt werden kann. In nur fünf Minuten sind die Tanks voll, und die Reichweite übertrifft meist die von Elektroautos – oft mehr als 600 Kilometer. Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber den oft stundenlangen Ladezeiten bei Elektroautos.
Die Zukunft des Wasserstoffautos hängt daher entscheidend davon ab, ob es gelingt, die gesamte Lieferkette auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Denn nur dann wird das Wasser, das aus dem Auspuff tropft, wirklich zum Symbol einer sauberen und zukunftsfähigen Mobilität.