Windrose technology: gigantisches e-lkw-projekt droht zu scheitern – wo ist das demo-fahrzeug?
Ein Debakel in Belgien: Windrose Technology, ein aufstrebender Hersteller von Elektro-Lkw für den Fernverkehr, steckt in einer tiefen Krise. Was als revolutionäre Idee begann, könnte nun in einem finanziellen, rechtlichen und operativen Fiasko enden. Der mysteriöse Verbleib eines Demo-Fahrzeugs ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.

Die versprechen und der preisverfall
Windrose Technology, gegründet vor gerade einmal vier Jahren, hatte mit großem Tamtam angekündigt, den Markt mit einem elektrischen Langstrecken-Lkw aufmischen zu wollen. Das Versprechen: eine größere Reichweite als etablierte Hersteller wie Volvo und Daimler, und die direkte Konkurrenz zum Tesla Semi. Und das Ganze zu einem Preis unter 100.000 Dollar – ein Angebot, das schnell Aufmerksamkeit erregte. Die Strategie sah vor, die Fahrzeuge in China zu fertigen und in den Zielmärkten zusammenzubauen – ein Modell, das auch andere Automobilhersteller verfolgen, um die Expansion zu beschleunigen.
Doch hinter der glänzenden Fassade verbergen sich düstere Realitäten. Ein erster Hinweis: der mysteriöse Verschwinden eines Demo-Fahrzeugs. Laut Recherchen des Wall Street Journal versucht der CEO von Windrose, Wen Han, seit Monaten, das Fahrzeug zu finden. Zwei entlassene Mitarbeiter, Travis Waite und Harold Keller, weigerten sich, bei der Suche zu helfen, solange sie nicht die ausstehenden Gehälter und Leistungen erhalten.
Han weist die Vorwürfe zurück und spricht von unbegründeten Forderungen, räumt aber ein, dass das Unternehmen zu schnell und aggressiv Personal eingestellt habe. Die Wahrheit ist: Windrose hat Probleme, die Löhne zu zahlen. Und das ist kein Einzelfall. Zahlreiche ehemalige Mitarbeiter haben über verspätete Gehaltszahlungen und ausbleibende Leistungszahlungen berichtet.
Der Fall Jason Gies, dem ehemaligen Verantwortlichen für die nordamerikanischen Operationen, ist besonders brisant. Er hat Windrose vor Gericht auf Schadensersatz verklagt und gewann den Prozess. Ein US-Richter ordnete die Zahlung von 413.000 Dollar an Windrose an – ein Betrag, den das Unternehmen allerdings angekündigt hat, anzufechten.
Und als ob all dies nicht genug wäre, hat Windrose fragwürdige finanzielle Entscheidungen getroffen. So wurde das Unternehmen zum Sponsor eines Basketballteams in Belgien und hat sich verpflichtet, 15 Millionen Dollar an die Universität Stanford zu spenden, sobald es an die Börse geht. Wen Han bleibt jedoch optimistisch und verspricht, dass das Unternehmen über ausreichend Mittel für die internationale Expansion verfüge und noch in diesem Jahr einen Börsengang durch eine Fusion mit einer SPAC plane. „Dies ist im Grunde unser erstes Jahr auf dem Markt. Wir werden Ende des Jahres profitabel sein.“
Ein weiterer Dorn im Auge der Behörden: Die Federal Motor Vehicle Safety Standards (FMVSS) in den USA haben Windrose in den Fokus gerückt. Bei der Überprüfung zweier der vier in den USA zugelassenen Lkw wurden Fahrzeugidentifikationsnummern (VIN) entdeckt, die auf einen Bau in Georgia hindeuteten, obwohl die Fahrzeuge in China hergestellt worden waren. Han schiebt die Schuld auf einen ehemaligen Mitarbeiter und versichert, dass die Dokumentation in Zukunft korrekt sein werde.
Windrose hat also noch einen langen Weg vor sich, beginnend mit der Lokalisierung eines hochtonnigen Elektro-Lkw, der derzeit spurlos verschwunden ist. Die Frage ist nicht, ob das Unternehmen den Turnaround schafft, sondern ob es überhaupt noch etwas zu retten gibt.